Buchrezension: Jon Cohens "Der Krähenmeister"

Im Mittelpunkt des Romans steht, anders als dies der Titel erwarten ließe, eine junge Frau (Noara). Mit ihr, neben ihr und durch sie wird der Leser in eine fantastische Welt geführt, in welcher sie sich in den Dienst der Verteidigung gegen eine dunkle Macht (Krähenmeister) stellt, die sich alles und jeden unterwerfen will.

Assoziationen zum „Herrn der Ringe“ sind unvermeidlich, geht es doch um dasselbe Ziel (FrodoSauron). Es gibt noch viele andere Parallelen zu Tolkiens Meisterwerk, drei seien genannt:

    • die sehr schön gestaltete Karte der fiktiven Welt,
    • die Gewissheit, dass nur Freundschaft und Solidarität (also Gemeinschaft) eine Chance haben, das Böse zu überwinden,
    • die Paradoxie, dass das Böse selbst hin zum Guten wirken kann (muss?), also Teil eines übergeordneten Heilsplanes ist. (Mephisto!)

Vordergründig ist Cohens erster Roman einfach spannend. Man liest und will nicht mehr aufhören. Hintergründig – beim zweiten Lesen wird dies besonders deutlich- erkennt man tiefere Zusammenhänge, etwa von Mythen, Religion und Geschichte und die Verantwortung jedes Einzelnen in diesem Spannungsfeld oder die jedem Märchen zugrunde liegende Wahrheit, dass das Kleine, Unscheinbare, ja Hilflose letztlich mächtiger ist als die raffinierte, scheinbar mit allen Mitteln ausgestattete Gewalt. Und ganz besonders erfreulich: eine Frau als wichtigste Protagonistin. Eine Fortsetzung der Abenteuer Noaras würde mich freuen.

Jon Cohen hat Talent, kein Zweifel.

 

H.G. Deutsch- und Französischlehrer, seit Kurzem im Ruhestand

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