Die Entstehung des Buches

Noaras Reise, und meine…

von Jon Cohen

Auf der Suche nach Lardon, dem Ersten Reichsfürsten von Silamen und Anführer des Widerstands gegen den Krähenmeister, reist Noara quer über den qualanischen Kontinent. Sie begegnet dabei vielen Menschen, findet neue Freunde, muss aber auch um ihr Leben kämpfen und sich ihrer Vergangenheit stellen. Dass ich das Buch „Der Krähenmeister“ fertigschreiben konnte, ist mir eine besondere Freude und ich hoffe, es findet bei euch Anklang. In diesem Artikel möchte ich kurz darlegen, wie es zu dieser Geschichte kam, und warum ich so lange dafür gebraucht habe.

Die erste Idee für das Buch kam mir während meiner Studentenzeit, das muss so etwa im Jahr 2006 oder 2007 gewesen sein. Ich hatte einen sehr plastischen Traum, in dem eine rothaarige Frau auf der Flucht vor schwerbewaffneten, schwarzgekleideten Männern in einen Fluss springt, um sich in Sicherheit zu bringen. Kurioserweise träumte ich das alles in der „Ich-Perspektive“ und erlebte den Traum durch die Augen der Frau. Bis heute kann ich mich an einzelne Bilder daraus erinnern. Zum Beispiel an den kleinen grauen Molch (erst im Laufe des Schreibprozesses wurde aus dem Begleiter ein Gecko – denn wenn wir ehrlich sind, klingt das doch einfach besser) der mich begleitete. Lebhaft vor Augen habe ich auch noch die Männer in ihren schwarzen Lederrüstungen und den roten Krähenschilden. Der Traum endete damit, dass ich – die Rothaarige – meine Verfolger mit den Feuerbällen abwehrte und über die steinerne Brücke lief. Dann wachte ich auf.

Am nächsten Morgen dachte ich über diesen Traum nach und darüber, dass die Szene doch ein guter Anfang für eine Geschichte sein könnte. Ich schrieb sie mit der Hand in ein kleines braunes Notizbuch, beschrieb die Szene und ihre Einzelheiten, hatte jedoch überhaupt keine Vorstellung davon, wo diese Geschichte hinführen sollte. Die Hauptfigur bekam einen Namen, einen guten Freund namens Bär und einen Vater. Ich führte auch die Figur des Krähenmeisters als Feind ein, doch all das geschah ohne eine zugrundeliegende Struktur der Geschichte. Ich schrieb einfach darauf los, nur aus der Lust am Erzählen und der sich vage herausschälenden Vorstellung, dass der Krähenmeister das östliche Königreich Silamen angegriffen hatte und Noara dem Anführer des dortigen Widerstandes eine wichtige Botschaft überbringen musste.

Irgendwann fing ich dann doch an, die Geschichte genauer zu planen und die Szenen im Vorfeld zu skizzieren. Doch dieser Prozess dauerte ewig. Unterstützung bekam ich dabei von meinem engen Studienfreund und kreativem Gefährten Alex (alias Hugin und Munin), dem ich die Geschichte erzählt hatte. Immer wieder abgelenkt von dem Leben, Jobs und dem Studium bewegte sich an dem Buch teilweise über Jahre kaum etwas und ich kann mir nur vorstellen, dass Noara und ihre Gefährten während dieser Zeit ungeduldig mit den Füßen im Waldboden scharrten und sich fragten, wann es denn endlich weitergehe.

Notitzbuch_Jon
Das kleine braunes Notizbuch, in dem die Geschichte seinen Anfang nahm
Notitzheft_Jon
Noaras Reise endet im originalen Notitzbuch bereits im Grimwald

In dem originalen Notizbuch ist die Reise Noaras zum Grimwald wesentlich kürzer und schneller erzählt und endet dort. Denn als ich diese Szene geschrieben hatte, wusste ich schlichtweg nicht mehr weiter. Wie sollte der Konflikt aufgelöst werden, worauf lief die Geschichte überhaupt hinaus? Umso mehr Zeit verging, desto schwerer fiel es mir Noaras Geschichte weiterzuerzählen. Zwar habe ich das braune Notizbuch in regelmäßigen Abständen zur Hand genommen und mir gedacht, dass ich den Roman gerne fertigschreiben würde, doch ich hatte mich in eine Sackgasse hineingeschrieben und wusste nicht, wie ich daraus wieder hinausfinden sollte.

Das änderte sich erst im Jahre 2020. Und dass auch nur, da es eine globale Katastrophe gab. Die Corona Pandemie und ein langer Lockdown im Frühjahr brachte das gesellschaftliche und soziale Leben vollkommen zum Stillstand und ich saß wochenlang zu Hause. Privilegiert genug meinen Job auch von zu Hause aus durchführen zu können und dank meines Chefs, der trotz der Krise alle seine Leute halten wollte, hatte ich plötzlich sehr viel Zeit und das Gefühl, diese Zeit für etwas Kreatives nutzen zu wollen. Es war schwer genug den Verlockungen des Internets und vor allem Netflix zu trotzen, doch dem Odysseus gleich fesselte ich mich an meinen Laptop und schrieb. In etwa hundert Nachtschichten – aus irgendeinem Grund kann ich nur nachts schreiben – und begleitet von (wie andere sagen) „schrecklich-monotoner“ Elektromusik wurde die Geschichte schließlich fertig. 

In den letzten Monaten haben so viele Menschen an diesem Projekt mitgemacht, angefangen von meinem engen Freund und Silberbuche Partner Johannes, über meine Familie, Freundin, Freunde und unsere zahlreichen engagierten Partner. Ihnen allen schulde ich viel Dank! Ciao tutti!

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